„Stellt euch eine Welt vor. Eine Welt voller Perfektion. Jeder ist die optimierteste Version seiner selbst. Jeder sieht perfekt aus. Perfekt gleich. Keine Individualität, keine Einzigartigkeit. Jeder strahlt durch seine angeblich perfekteste Version, zu der man sich selbst optimiert hat. Doch jeder Einzelne von uns wird verfolgt. Verfolgt von einem Schatten der Selbstzweifel, der, je heller das Licht der Perfektion scheint, immer düsterer, dunkler, schwärzer wird. Wenn man sich nun diese Welt genau vorstellt, stellt sich die Frage, ob nicht gerade dieses Streben nach Perfektion, die bei der Selbstoptimierung erzielt werden soll, unsere Individualität und unsere Einzigartigkeit, die jede und jeder Einzelne von uns besitzt, kaputtmacht?“
Dieser Ausschnitt aus dem Essay von Franziska Wilbertz führt unsere Vorstellung von stetiger „Selbstoptimierung“ ad absurdum. Ist es überhaupt noch erstrebenswert, sich jeden Tag und in allen Lebensbereichen zu optimieren? Sollten wir nicht viel differenzierter und kritischer auf das Thema schauen?
Theresa Schmitz führt in ihrem Essay außerdem die moderne Technologie an, wie zum Beispiel „Apps, die Gerichte für eine besonders ausgewogene Ernährung erstellen können, Anleitungen für Meditationen, um die geistige Lernfähigkeit zu steigern etc.“ Was auf den ersten Blick das Leben erleichtert, kann auf den zweiten zum Druck oder sogar „Wahn“ werden.
Miriam Leipert nahm sich das Zitat „In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.“ für ihren Essay vor. Darin erörtert sie, inwiefern Phänomene der Natur eigentlich mit uns zu tun haben, inwiefern unsere Taten zu uns zurückkommen oder ob wir doch vieles nur hineindeuten: „Wir können nicht anders, als Erscheinungen und Phänomene zu interpretieren, zu analysieren und auf uns zurückzuführen. […] Es ist selten Arroganz, sondern meistens ein Wunsch, die Welt zu verstehen und zu erklären, ein Wunsch, Bedeutung zu haben. Wir brauchen einen Sinn.“
Die drei spannenden, tiefgehenden und durchaus kritischen Essays von Franziska, Theresa und Miriam wurden von der Berkenkamp-Stiftung und dem Ministerium für Schule und Bildung NRW mit wertschätzenden Urkunden ausgezeichnet.
Wir gratulieren ganz herzlich!
Sina Bremen